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Foto: SPD Katlenburg Lindau
SPD-Politiker Erhard Eppler ist im Alter von 92 Jahren gestorben

19. Oktober 2019: Wir trauern um unseren Genossen Erhard Eppler

Der weißbärtige Urgroßvater von Greta Thunberg.
Der SPD-Politiker Erhard Eppler war ein sozialdemokratischer Prophet. Er hatte Einfluss auf das Denken der Bundesrepublik - und war schon Ökologe, als die meisten das Wort noch gar nicht kannten.

Er war nicht groß, aber er war ein Großer. Er war ein schmächtiger, ja asketisch aussehender Mann. Aber in ihm steckte ungeheuer viel Kraft und Geist. Äußerlich hatte Erhard Eppler mit Martin Luther wenig gemein; aber er hatte einen Furor und eine Sprachgewalt, die einen an den Reformator erinnern. Er war ein evangelischer Christ und ein demokratischer Sozialist, er war ein belesener, nachdenklicher Mensch, er war einer, der auf das politische Denken der Bundesrepublik Einfluss hatte.

Er war viele Jahre lang Vorsitzender der Grundwertekommission der SPD - und solange er das war, merkte man das der SPD an. Er war das Gewissen seiner Partei, er war die Verkörperung der Nachhaltigkeit in der Politik. "Links leben" war der Titel seiner grandiosen Autobiographie, die er 2015 auf 336 Seiten publiziert hat. Er lebte das, was er von einem Politiker in seinen Büchern immer wieder verlangte: "Das Wichtigste ist Glaubwürdigkeit." Weil das so war, hat sein Eintreten für Schröders Agenda 2010 im Jahr 2003 entscheidend dazu beigetragen, dass Schröder damit in der Partei durchkam. Ganz wohl war Eppler aber dabei nicht. Und er übte später auch Selbstkritik: "Mir war noch nicht klar, was das für den Einzelnen für Folgen haben kann."

Epplers Reden waren sprachgewaltige Weckrufe

Erhard Eppler war kein Macher, er war ein politischer Denker und ein politischer Prediger. Seine Predigten waren aber keine gefällige Salbaderei, sondern sprachgewaltige Weckrufe. Eppler konnte Parteitage überzeugen und Großdemonstrationen begeistern. Er war kein radikaler Pazifist, aber ein begnadeter Friedenspolitiker: 200 000 Menschen hörten ihm 1981 im Bonner Hofgarten, bei der Großdemonstration gegen die Nachrüstung, mit revolutionärer Andacht zu.

Unter Kurt Georg Kiesinger wurde Eppler 1968 zum Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Helmut Schmidt konnte mit Eppler hingegen nichts anfangen: Der Kanzler Schmidt protzte sich damit, den "Pietcong" - wie Herbert Wehner über Eppler spottete - 1974 aus dem Kabinett entfernt zu haben. Das stimmte so nicht. Eppler selbst hatte sein Amt zur Verfügung gestellt, weil er sich mit Schmidt über grundsätzliche Haushaltsfragen nicht einigen konnte. Die politischen Prioritäten von Schmidt und Eppler waren zu unterschiedlich. Eppler gab dem Entwicklungshilfeministerium ein idealistisch-visionäres Profil: Er verstand sein Haus nicht als Institution zur Förderung deutscher Exporte.

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